Macht und Ethik: Wann ist man kein Grüner mehr?
Immer mal wieder schockiert eine Abwanderung von den Grünen zu ‘denen’, zu einer Gruppe oder Institution, mit der man die Grünen eigentlich nicht in Verbindung bringt, sei es Marianne Tritz zur Tabaklobby, die Atomstromfreunde von EnBW mit Rezzo Schlauch im 2005/2006, die ungeklärte Verbindung der grünen Ex-Umwelt-Staatssekretärin Simone Probst mit dem Energieriesen eON schon vor Februar 2006, die Abwanderungen von Frau Roth aus Bayern zur FDP (unter Mitnahme ihres frisch gewählten Mandats) oder von Oswald Metzger zur CDU (ohne seinen Landtagssitz) frustrieren manche, die positiven Antworten mancher Mandatsträger auf Schwarzgrünes Liebeswerben frustrieren andere in Zeiten in denen sogenannte Realos keine Parteimehrheit mehr haben. Wer ist, was ist noch wirklich Grün? Mit wem kann man koalieren und noch Grüne sein?
Neuester Auslöser also ist die ehemalige Parlamentarische Staatssekretärin im Umweltministerium Margareta Wolf, die zum 1.Dezember 2007 ihr Bundestagsmandat niedergelegt hatte um zu einer ‘Kommunikationsberatung’ zu wechseln, wo sie jetzt ausgerechnet die Atomlobby, den ‘Informationskreis Kernenergie’ als Mandat betreut und nach Strategien sucht, für Laufzeitverlängerung, also gegen den unter Rot-Grün vereinbarten Atomausstieg, zu werben. Jürgen Trittin bedauert nun, dass er sie nicht mehr feuern kann - und ist sauer. Till Westermayer, der bereit ist vieles zu verstehen, findet das auch zuviel und fordert: “Beim Eintritt in die Lobby bitte Parteibuch abgeben” - auch wenn es bei den Grünen nur ein Mitgliedsausweis ist.
“Armut macht Unfrei“, sagt Wolfs Nachrücker Wolfgang Strengmann-Kuhn auch gegenüber der FAZ. Ob Margarete Wolf sich gedacht hat dass Geld sie frei macht, von alten grünen Überzeugungen? Dabei wäre sie doch auch so von der Grundeinkommenshöhe (beim Grünen Netzwerk Grundeinkommen recht ähnlich wie beim neuen FDP-Bürgergeld) noch weit entfernt gewesen… Ist das der automatische Lauf Rotgrüner Karrieren?
Mark Seibert von der Linkspartei rechnet als nächstes damit dass Christian Ströbele im SUV Promotion für PS-Boliden macht, vergaloppiert sich aber damit.Wenn der von mir geschätzte Christian Ströbele, der heutigen Volkszählungen viel mehr abgewinnen kann als der damaligen gegen die wir uns gemeinsam eingesetzt haben, zum Lobbyisten für das Bundeskriminalamt 2.0 und Fritz Kuhn zum Lobbyisten für Monsanto wird… ja dann …wäre es vergleichbar mit dem Wandel des Ex-Gewerkschafters Norbert Hansen von TransNet zum Bahnvorstand, dann wäre es weiter bergab gegangen mit der Partei als mir lieb ist.
Aber man kann es auch so sehen: Wenn von Rezzo Schlauch und Gunda Röstel bis Oswald Metzger immer mehr Leute gehen die lieber schwarzgelb als rotrot sehen würden - spricht das dann nicht dafür, dass die Partei sich tatsächlich gerade in Zeiten von SchwarzGrünen Versuchen wandelt, so dass solche Leute auf fettere Weiden anderswo ausweichen? Solche Parteiwechsel kommen übrigens nicht nur im ‘richtigen Leben’ vor, das geht der Grünen Bewegung in der Simulation nicht anders.
Ganz anders ist das natürlich, wenn Renate Künast ins Konrad-Adenauer Haus will - um dort Fremdenführerin zu werden, für kurze Zeit. Wie die Zeitrafferin berichtet hat Renate im Januar bei extra3 gewettet, es würde nicht zu einer SchwarzGrünen Koalition in Hamburg (und nicht auf Landesebene bis Januar 2010) kommen. Der Bierdeckel zum Beweis wird durch die Blogs gereicht: Tobi Schlegl hat gewonnen, Renate verloren und nun würde sie gerne ihren Wetteinsatz einlösen, allein die CDU lässt sie noch nicht, weil die BundesCDU noch nicht ehrlich auf SchwarzGrün setzt. Also hat extra3 aufgerufen, der CDU zu schreiben, und Julia Seeliger, Paula Riester, Maximilian Pichl, Katharina Spiel und jetzt auch ich unterstützen diese Aktion.
Mitmachen ist sehr einfach: Einfach diese Mail an besucherdienst@cdu.de schicken:
Sehr geehrte Damen und Herren,
hiermit möchte ich mich für ein Informationsgespräch mit einem Experten in der CDU-Zentrale inklusive kurzer Darstellung der Architektur des Konrad-Adenauer-Hauses und Besichtigung des Wintergartens anmelden. Als Expertin und Gesprächsteilnehmerin bitte ich um Renate Künast, die Fraktionsvorsitzende der Grünen im deutschen Bundestag.
Es wäre schön, wenn Sie mir für diese Veranstaltung einen Platz reservieren könnten. Anreise organisiere ich selbstverständlich selbst.
Mit freundlichen Grüßen
By the way: An den Antworten der CDU ist Extra3 sehr interessiert. Einfach an extra3@ndr.de weiterleiten!
Also: Thunderbird geöffnet und los…

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Dienstag, 20. Mai 2008 um 11:35 - @441
[…] wer schon wohin gegangen ist (Die Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit), und auch W.G. Wettach bleibt nur eine generelle Erörterung während PatJe lautstark darauf hinweist das eben nicht “Die” Grünen für […]